Schulgeschichte

 

Anfänge

Seit wann gibt es in Aussee eine Schule?

Um 1408 wird in Aussee erstmals eine Schule erwähnt (Kirchengasse Nr. 29/Messnerhaus) – der Schulmeister wird mit dem Opfergeld der Leonhardkirche bezahlt. Im Vordergrund steht der Religionsunterricht – daneben gibt es Lesen, Schreiben, Rechnen, Geschichte, Latein und Zeichnen. Die Schüler werden einmal im Jahr von den Ratsherrn der Marktgemeinde geprüft.

 

Zeit Maria Theresias

Nimmt die Schülerzahl im Ausseerland zu, als Kaiserin Maria Theresia 1774 die allgemeine Schulpflicht einführt?

Es kommt natürlich auch in Aussee wie im ganzen Habsburgerreich zu einer starken Zunahme an Schülern, wobei längst nicht alle Schüler die Schule besuchen. Schulmeister Franz Zierler soll um diese Zeit mit seinen beiden Söhnen ca. 325 Schüler unterrichten! Die Schule hat ein sehr hohes Niveau – sie wird als „Musterschule“ erklärt! Untergebracht sind alle Schüler noch immer im Messnerhaus. Es herrscht akuter Platzmangel und das Gebäude ist inzwischen so baufällig, dass es einzustürzen droht. Erst 1792 beschließt man endlich, zwei Klassen im Kaplanhaus in der Kirchengasse 166 unterzubringen.

 

19. Jahrhundert

Wie sieht der Schulbesuch im 19. Jahrhundert aus?

1824 wir die „Marktschule“ wieder zur „Musterschule“ erklärt und der damalige Lehrer Matthäus Gaßner mit dem Titel „Musterlehrer“ geehrt. Die Schule wird damals von 165 Knaben und 144 Mädchen besucht. Die Kosten dafür tragen die Kirche, die Gemeinde und die als Hallinger bezeichnete Salinenleitung. Für rund 180 Salinenkinder zahlt die Saline das Schulgeld. Den Unterricht in Handarbeiten (Spinnen, Stricken, Nähen) erteilen ab 1833 uneigennützig vier Marktfrauen.

1880 reißt man das alte Kaplanhaus in Aussee ab und baut an seiner Stelle ein neueres, größeres, noch heute benütztes Schulgebäude mit acht Klassenzimmern. Die damalige „Kaiser Franz Joseph Volksschule“ hat vier Knaben- und vier Mädchenklassen.

 

Beginn 20.Jahrhundert

Welche Änderungen gibt es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

Ab 1919 gibt es im Haus 166 und im Gewerbeschulhaus Markt 253 eine Bürgerschule für Knaben. Ab 1927 wird diese als „Knabenhauptschule“ geführt.

Mit 1. Jänner 1939 wird in Bad Aussee eine Mädchenhauptschule gegründet und im Gebäude der Mädchenvolksschule untergebracht. Es gibt bis 1945 für die Knaben-, die Mädchenhauptschule und die Berufsschule eine gemeinsame Leitung  (Dir. Hans Roithner).

 

2. Weltkrieg

Gibt es schulische Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges im Ausseerland?

Im letzten Kriegsjahr (Winter und Frühling 1945) entfallen aufgrund häufiger Fliegeralarme viele Schulstunden, die Klassenschülerzahlen sind wegen der großen Anzahl an Flüchtlingskindern sehr hoch.

Ab April 1945 werden beide Schulgebäude als Lazarett beschlagnahmt und müssen geräumt werden. Es findet provisorischer Unterricht in Ausweichquartieren statt. Die 4. Klassen erhalten ihr Abschlusszeugnis bereits am 31. März. Erst im Dezember 1945 kann der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Durch den Abtransport eines Teiles der Gastschüler in ihre Heimatgemeinden kommt es zu großem Schülerschwund. Unterernährte Schüler bekommen vom UN-Kinderhilfswerk UNICEF Aufbaunahrung.

 

Ab 1950

Welche Neuerungen gibt es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

Die Knabenhauptschule übersiedelt 1950 nach Praunfalk in das Gebäude der ehemaligen Privatmittelschule (heute altes Gebäude der Neuen Mittelschule NMS). Somit hat die Mädchenhauptschule im Markt mehr Platz. Es herrscht aber nach wie vor akuter Raummangel: Es gibt keinen eigenen Zeichensaal, keine Handarbeitsräume, keinen Physikraum und nur in einer Klasse befindet sich Fließwasser. Die Schulgebäude sind inzwischen so veraltet, dass man von „unterrichtshemmenden“ Umständen spricht.

Ab 1962 wird die Hauptschule in Klassenzügen geführt, wobei der 1. Klassenzug dem AHS-Niveau entspricht. Nach einjähriger Bauzeit ist es im September 1980 endlich soweit: Die neue Mädchenhauptschule – nunmehr Hauptschule1 „Hans-Gielge Schule“ – nimmt im neuen Schulgebäude im Praunfalk ihren Betrieb auf. Mit der Umsiedlung erfolgt auch die Einführung von gemischten Klassen.

Ab dem Schuljahr 1983 laufen die Klassenzüge aus, die SchülerInnen werden in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik in drei Leistungsgruppen eingeteilt.

  

Welche Bedeutung haben die Namensgeber der HS1 und HS2?

Zur Erinnerung und Würdigung bedeutender Ausseer Schulmänner beschließt die Marktgemeinde Bad Aussee für die Hauptschule I (früher Mädchenhauptschule) den Namen „Hans-Gielge-Schule“ und für die Hauptschule II (bisherige Knabenhauptschule) den Namen „Otto-Körber-Schule“.Hans Gielge hat sich neben der Jugenderziehung große Verdienste um die Volkskunde unserer Heimat erworben. Otto Körber ist durch seine Leistungen auf dem Gebiet der Höhlen- und Urgeschichteforschung hervorzuheben.

 

Wann kommt es zur Zusammenführung der HS1 und HS2?

Ab dem Schuljahr 2013/14 wird flächendeckend im gesamten Schulbezirk Gröbming die NMS eingeführt. Direktor Peter Sommer (seit 2001 offizieller Leiter der HS1) wird ab Juni 2013 mit der gemeinsamen Leitung der NMS Bad Aussee betraut. Die Ära der HS1 und HS2 – hervorgegangen aus der Knaben- und Mädchenhauptschule Bad Aussee – geht damit zu Ende.

Die ersten Klassen sind leistungsheterogen zusammengesetzt, die individuelle Förderung, das Eingehen auf die Lernbedürfnisse jedes Schülers steht im Mittelpunkt. Hauptschul- und AHS Lehrer unterrichten gemeinsam – es gibt Teamteaching in den Schularbeitenfächern.

Stand:  April 2014

Anita Roithner